Massgeschneidert für Generationen

Das Haus für zwei Familien spielt elegant mit den Gegensätzen von Einheitlichkeit und Differenzierung der beiden Teile. Es wirkt gekonnt wie aus einem Stück Holz heraus modelliert, die skulpturale Ausformung wird von den adäquat in die matte Holzoberfläche eingesetzten Fensteröffnungen unterstrichen. Der horizontal gegliederten Fassade aus natur belassenen Lärchenbrettern folgt eine materialgerechte technische Umsetzung von Wand- und Dachaufbauten, wofür der Zugang des Bauherren, der früher als Zimmerer gearbeitet hat, sicher unterstützend wirkte. Das Gebäude liegt stimmig zwischen Hang und Obstgarten, vom Mondsee durch die Uferstraße getrennt es reagiert auf diesen besonderen Ort und die kontrastreichen Blickbeziehungen mit See, Berg und Wald. Terrassen nehmen diese Bezüge auf und nutzen die unterschiedlichen Qualitäten der Freiräume. Sie sind von Blicken der Nachbarschaft ebenso wie voneinander abgeschirmt und ziehen sich als intime Orte des Dialoges mit der Natur zurück. Eine angenehm ruhige Form bringt eine räumliche interessante und kluge Grundrisskonzeption, welche eine sehr logische Nutzung des gesamten Gebäudes zulässt. Zwei getrennte Wohnungen, verbunden durch einen weitern Raum in der Mitte, der bei Bedarf einer der beiden Wohnungen zugeschaltet werden kann, ermöglichen ganz einfach künftige Veränderungen der Raumansprüche. Die Erscheinung ist dabei aber spürbar zu einem harmonischen, stimmigen Ganzen zusammengewachsen. Der Eingang zu den beiden Wohneinheiten wird von einem großzügigen Laubengang definiert. Alles in allem ein Gebäude, so lapidar und vernünftig wie das Wesen des konstruktiven Holzbaues selbst, geschickt zu einem sinnlichen Haus in sinnlicher Umgebung komponiert, so die Begründung der Jury.

Jury: Univ. Prof. Arch. DI. Wolfgang Ritsch, LIM Richard Hable, Dipl. Ing. Sylvia Polleres, Architekt DI. Gernot Hertl

Projektbeschreibung

Plomberg, geprägt von landwirtschaftlichen Strukturen, liegt bei St. Lorenz zwischen Mondsee und St. Gilgen / Oberösterreich. Im Spannungsfeld von der vertikalen mächtigen „Drachenwand“ und der horizontalen Seefläche, befindet sich der landwirtschaftliche Schafzuchtbetrieb der Familien Ebner. Um den natürlichen Seepegelbewegungen - mehrere zurückliegende Über- schwemmungen im Bauernhaus - zu entkommen, wurde es notwendig, nach einer geeigneten Wohnalternative zu suchen. In der landschaftlichen Verengung und Konzentration von Weideland, Waldbewuchs, Hang- und Seefläche verließ in vergangenen Tagen die Bad Ischler Eisenbahn dampfend Plomberg in Richtung St. Gilgen. Nach dem Entfernen der Gleisanlagen blieb im Gelände die Horizontale sichtbar. Diese historische, durch den landwirtschaftlichen Betrieb geführte Bahntrasse, konnte nun zur Bebauung eines neuen landwirtschaftlichen Wohngebäudes herangezogen werden. Die Bauaufgabe bestand darin, ein Haus für 2 Familien aus 2 Generationen mit unabhängigem Gästebereich zu erstellen. Ein Haus für 2 Personen, und ein Haus für eine Familie mit derzeit 3 Personen. Die landschaftliche Einbindung des Gebäudes erfolgte in Längsrichtung, parallel zum Seeufer und den natürlichen Höhenschichten folgend. Diese Positionierung schützt einen großen Teil des Grundstückes von der Lärmbelastung der nahegeführten Uferstraße Mondsee - St.Gilgen. Die spezielle Lage des Gebäudes erforderte ein nach außen orientiertes, offenes und möglichst transparentes architektonisches Konzept. Durchblicke und Öffnungen wurden so positioniert, dass sie dem Ort und dem Nutzer gerecht werden. Über versetzte diagonale Sichtverbindungen in den verschiedenen Geschossen und über den Einschnitt im Obergeschoss wird eine 360 Grad Ausrichtung beider Hausteile ermöglicht. Durchsichten, Ausblicke und die Einbindung der Natur ins Gebäude sind so maximal gegeben. Der Besucher betritt die verschiedenen Wohneinheiten über den seeseitig gelegenen überdachten Eingangsbereich. Beim Durchschreiten des Erdgeschosses werden die beiden ruhigen südlichen Terrassenbereiche sichtbar. Geht der Besucher über die nach Norden geführten Treppen in die Obergeschosse, erwartet ihn der weite Blick über den gesamten Mondsee bis ans nördliche Seeufer. In diesem Bereich des Hauses sind allgemeine Raumerweiterungen als Rückzugs- und Studienflächen positioniert. Diesen Seeblick genießen auch die Bewohner aus ihren eigenen Bädern. Die Schlafräume sind abgewandt der Bundesstraße im südlichen Bereich untergebracht. Ein vorbeigehender Betrachter vergleicht das Gebäude mit seiner natürlichen Einbindung in die Natur, und der Offenheit des Gebäudes mit einem beweglich abgestellten Eisenbahnartefakt, möglicherweise im Bewusstsein der Historie.

Konstruktionsweise
Das 2-geschossige Gebäude ist in Holzpfosten – Riegelkonstruktion gefertigt, die notwendigen statischen Aussteifungen werden von diagonal vernagelten Rauspundschalungen mit Kamm und Nut übernommen. Die befüllte Zellulosefaserwärmedämmung im Holzriegelzwischenraum übernimmt die thermische Dämmung in der Außenwand. Auf Holzplattenwerkstoffe wurde möglichst verzichtet. Die hinterlüftete, vertikale und unbehandelte Lärchenschalung gibt dem Gebäude sein äußeres Erscheinungsbild und verstärkt die natürliche Einbindung des Gebäudes in die starke Landschaft.

Energie
Für einen geringen Energieverbrauch sorgen die hoch wärmegedämmten Außenhüllflächen, die Holz- Alufenster mit Isolierverglasungen und der Fernwärmeanschluss an die hofeigene Hackschnitzel Biomasseheizanlage.

Lageplan
Erdgeschoss
Obergeschoss
Längsschnitt